Die deutsche Redaktion beim französischen Auslandsradio RFI hat bei
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Nicolas
Sarkozy gegen das geplante Aus für den Dienst protestiert. Merkel und
Sarkozy hätten sich in letzter Zeit "verstärkt in Worten und Taten für die
deutsch-französische Verständigung eingesetzt", schrieb die Redaktion am
Mittwoch in einem offenen Brief. Wenn nun die Leitung von Radio France
Internationale (RFI) die deutsche Redaktion und ihr Berliner Büro
schließe, stehe dies "im krassen Gegensatz" zu den von Merkel und Sarkozy
formulierten politischen Zielen.
RFI arbeitet ähnlich wie die Deutsche Welle. Der Sender muss gut 200
von tausend Stellen streichen. Sechs Sprachendienste, darunter der
deutsche, sollen wegen zu geringer Zuhörerzahlen geschlossen werden. Der
Auslandssender, der sich zu 95 Prozent aus Rundfunkgebühren und
staatlichen Zuschüssen finanziert, hatte vergangenes Jahr einen Verlust
von neun Millionen Euro eingefahren. Nach Plänen der Regierung in Paris
soll er unter dem Dach einer Holding künftig mit dem TV-Nachrichtensender
France 24 und dem Auslandsfernsehen TV5Monde zusammenarbeiten.
RFI-Mitarbieter streiken seit drei Wochen gegen die Pläne.
In einer Zeit, in der immer weniger Deutsche Französisch lernen, sei es
"mehr denn je" die Aufgabe des deutschen RFI-Dienstes, das Interesse und
das Verständnis für Frankreich unter den 110 Millionen Deutschsprachigen
zu fördern. "Unsere Arbeit ist ein Beitrag, die deutsch-französische
Freundschaft täglich zu stimulieren", die Merkel einmal als "fundamental"
bezeichnet habe, hieß es in dem Brief. "Können Sie, Frau Bundeskanzlerin
und Herr Staatspräsident, zulassen, dass ein staatliches Unternehmen
derart Ihren politischen Willen missachtet?"