Letzte Aktualisierung am le 27/05/2009 à 16h30TU |
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Offener Brief der deutschen Redaktion von Radio France Internationale (RFI) an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Nicolas Sarkozy

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Staatspräsident, 

Sie haben sich in letzter Zeit verstärkt in Worten und Taten für die deutsch-französische Verständigung eingesetzt. Immer wieder haben Sie die besonderen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern hervorgehoben. Sie, Herr Staatspräsident, sagten Anfang April 2009 auf dem NATO-Gipfel in Straßburg:

“Das Einverständnis, die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich sind keine bloße Wahl, sie sind eine Pflicht. (…) Wir müssen die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern wie einen Schatz bewahren. Es ist vielleicht der wertvollste Schatz, der wichtigste für Europa.”

Das sieht die Intendanz von Radio France Internationale nicht so. Sie will die deutsche Redaktion und ihr Berliner Büro schließen. Damit würde die aktuellste und umfangreichste Plattform für Radio- und Webberichterstattung aus und über Frankreich in deutscher Sprache abgeschafft. In der neuen Strategie des französischen Auslandsrundfunks haben Europa und Deutschland keine Bedeutung mehr. Das steht im krassen Gegensatz zu den von Ihnen formulierten politischen Zielen.

Auf die Ankündigung der RFI-Intendanz, die deutschen Sendungen einzustellen, bemerkte bereits Herr Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister und Bevollmächtigter für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit: „Die Schließung der Redaktion würde…den Eindruck erwecken, als sei der deutschsprachige Raum für Frankreich nicht mehr interessant. Schließlich hat sich die deutschsprachige Redaktion…zu einer wichtigen Plattform unserer partnerschaftlichen Beziehungen entwickelt.“  

Zur Erinnerung: Die Grundlage unserer Arbeit ist der 1963 von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnete Elysée-Vertrag - das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft. Mit Verwunderung entdeckten wir in der Presse folgende Worte aus der RFI-Chefetage: „Die deutschen Sendungen rechtfertigten sich vor dem Mauerfall. Heute sind sie nahezu eine Beleidigung für die Deutschen.“ Die Berliner Mauer stellte nie unsere Daseinsberechtigung dar, auch wenn die Intendanz von RFI dies gern glauben machen möchte.

In einer Zeit, in der immer weniger Deutsche Französisch lernen, ist es mehr denn je unsere Aufgabe, das Interesse und das Verständnis für Frankreich unter den 110 Millionen Deutschsprachigen zu fördern. Unsere Arbeit ist ein Beitrag, die deutsch-französische Freundschaft, die Sie, Frau Bundeskanzlerin, einmal als „fundamental“ bezeichnet haben, täglich zu stimulieren.

Können Sie, Frau Bundeskanzlerin und Herr Staatspräsident, zulassen, dass ein staatliches Unternehmen derart Ihren politischen Willen missachtet?


Die deutsche Redaktion von RFI  
 
Paris, den 26. Mai 2009

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