Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr
Staatspräsident,
Sie haben sich in letzter Zeit verstärkt in Worten und Taten
für die deutsch-französische Verständigung eingesetzt. Immer wieder haben
Sie die besonderen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern
hervorgehoben. Sie, Herr Staatspräsident, sagten Anfang April 2009 auf dem
NATO-Gipfel in Straßburg:
“Das Einverständnis, die Freundschaft zwischen Deutschland
und Frankreich sind keine bloße Wahl, sie sind eine Pflicht. (…) Wir
müssen die Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern wie einen Schatz
bewahren. Es ist vielleicht der wertvollste Schatz, der wichtigste für
Europa.”
Das sieht die Intendanz von Radio France Internationale nicht
so. Sie will die deutsche Redaktion und ihr Berliner Büro schließen. Damit
würde die aktuellste und umfangreichste Plattform für Radio- und
Webberichterstattung aus und über Frankreich in deutscher Sprache
abgeschafft. In der neuen Strategie des französischen Auslandsrundfunks
haben Europa und Deutschland keine Bedeutung mehr. Das steht im krassen
Gegensatz zu den von Ihnen formulierten politischen Zielen.
Auf die Ankündigung der RFI-Intendanz, die deutschen Sendungen
einzustellen, bemerkte bereits Herr Klaus Wowereit, Berlins Regierender
Bürgermeister und Bevollmächtigter für die deutsch-französische kulturelle
Zusammenarbeit: „Die Schließung der Redaktion würde…den Eindruck
erwecken, als sei der deutschsprachige Raum für Frankreich nicht mehr
interessant. Schließlich hat sich die deutschsprachige Redaktion…zu einer
wichtigen Plattform unserer partnerschaftlichen Beziehungen
entwickelt.“
Zur Erinnerung: Die Grundlage unserer Arbeit ist der 1963 von
Charles de Gaulle und Konrad Adenauer unterzeichnete Elysée-Vertrag - das
Fundament der deutsch-französischen Freundschaft. Mit Verwunderung
entdeckten wir in der Presse folgende Worte aus der RFI-Chefetage: „Die
deutschen Sendungen rechtfertigten sich vor dem Mauerfall. Heute sind sie
nahezu eine Beleidigung für die Deutschen.“ Die Berliner Mauer stellte
nie unsere Daseinsberechtigung dar, auch wenn die Intendanz von RFI dies
gern glauben machen möchte.
In einer Zeit, in der immer weniger Deutsche Französisch
lernen, ist es mehr denn je unsere Aufgabe, das Interesse und das
Verständnis für Frankreich unter den 110 Millionen Deutschsprachigen zu
fördern. Unsere Arbeit ist ein Beitrag, die deutsch-französische
Freundschaft, die Sie, Frau Bundeskanzlerin, einmal als „fundamental“
bezeichnet haben, täglich zu stimulieren.
Können Sie, Frau Bundeskanzlerin und Herr Staatspräsident,
zulassen, dass ein staatliches Unternehmen derart Ihren politischen Willen
missachtet?
Die deutsche Redaktion von RFI
Paris, den 26. Mai 2009