Mit der Begründung einer
unzureichenden Hörerschaft hat Radio France Internationale
angekündigt, sein Programm auf deutsch, polnisch, albanisch,
serbokroatisch, türkisch und laotisch ab 2009 einzustellen.
Es soll sich auf andere Sprachen wie Französisch, Englisch,
Portugiesisch, Spanisch, das Haussa und Suaheli stärker konzentriert
werden.
Die Sendungen auf russisch, chinesisch, persisch und
vietnamesisch werden in Zukunft verkürzt und nur noch über das
Internet zu empfangen sein. Dass Radio France sich gerade in diesen
Ländern, in denen die Informationen im Web von den Regierungen
gefiltert werden, auf das Internet konzentriert, scheint zynisch.
Seit 1945 sitzt RFIs deutsche Redaktion in Paris und sendet
wochentags zwei und am Wochenende eine Stunde deutsches Programm.
Verwunderlich scheint, dass Radio France Internationale ausgerechnet
während der französischen Ratspräsidentschaft diese Verbindung
zwischen Deutschland und Frankreich einstellen will. Die deutsche
Redaktion gehört zu dem von der EU subventionierten Radio-Netz
„Euranet“ und leistet damit einen maßgeblichen Beitrag zum
deutsch-französischen Dialog. Außerdem besitzt Deutschland als
einziger europäischer Staat einen RFI-Hörerclub mit mehr als 1000
Mitgliedern. Französischsprachige Fernsehsendungen erreichen ein
vergleichsweise nur kleines deutsches Publikum; gerade durch die
rückläufige Frankophonie bekommt die deutsche Redaktion eines
französischen Radiosenders besondere Bedeutung für die Erhaltung der
bilateralen Beziehungen.
Einige verantwortliche Politiker und Hörer mobilisieren sich
jedoch: Angelika Schwall-Düren, stellvertretende Vorsitzende der
SPD-Bundestagsfraktion, hat in einem Brief an die Verantwortlichen
von RFI ihr Bedauern über die Schließung der deutschen Redaktion
ausgedrückt, genauso wie der Bevollmächtigte für die
deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit und Bürgermeister von
Berlin, Klaus Wowereit, der eine Fortführung unterstützt. Andreas
Schockenhoff, stellvertretender Vorsitzender der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Präsident der deutsch-französischen
Parlamentariergruppe wollte sich gegenüber der Gazette nicht zur
Entscheidung von RFI äußern.
Die juristische Verantwortliche der Medienanstalt
Berlin-Brandenburg, Frau Zarnt, die die Neuigkeit von der Schließung
der deutschen Redaktion RFIs durch die Gazette erfahren hat,
bestätigt, dass nach der Lizenz von RFI, die Programmausstrahlung
auf Deutsch eine der Bedingungen des Senderechts ist.
Der Großteil der Auslandsredaktionen wird - bis auf die
RFI-Redaktion in Rumänien – geschlossen. Diese wird „im Namen der
Frankophonie“ erhalten, ein Argument, das auch für Deutschland
gelten sollte! Eine definitive Entscheidung zu dem Thema fällt im
Dezember.
Wenn die Leitung ihr Vorhaben aufrecht erhält, werden 2009
fünfzig Mitarbeiter entlassen. In der deutschen Redaktion droht fünf
Mitarbeitern sowie zehn freien Journalisten die Entlassung. Mehr als
1000 Hörer haben bereits Briefe an die deutsche Redaktion gesandt;
Sie können RFI (FM 106) mit E-Mails an deutsch.redaktion@rfi.fr
unterstützen.
Florence Renault und Amrei Beck